Alle Beiträge von nachtwind72

Kathobuddhistischer lieber Psychologe oder Philosoph als Physiker. U = C x V x M F = m x a Und sie bewegt sich doch! (GG) Wer das erste Knopfloch falsch einfädelt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande (JWvG)

Abstieg nach oben

Ich mag Gesichter, die was sagen,

bewundere Menschen, die was wagen,

liebe Lichter, die was tragen. 

Du wirst mich fragen: 
„Hasst Du nichts?“
und ich? Ich hör mich sagen:
„Nein Liebes“, sag ich, hör ich mich,

ich werde „Gar nichts“ sagen.
Nichts.
Weil alles doch von oben kommt

für den, der nicht mehr strebt.

Es kann ein langes Leben sein, 

an einem Tag gelebt.
Wer oben steht, wem Abstieg droht, 

den Mangel nicht mehr spürend, 

die Höhepunkte längst vorbei, 

das Leben oft verführend.

Des Unbesiegten Nimbus fort,

geschunden und gescheitert, 

durch Körpers Last und Geistes Lust

den Horizont erweitert.

Der Körper sich der Seele beugt,

statt Lende jetzt die Leiste?

Statt Spieltrieb, Leidenschaft und Lust

nun Abstellgleis und Altersfrust?

Das Alter von der Weisheit zeugt, 

wo sich die Seel‘ nun nicht mehr beugt, 

vor anderen fremden Werten,

sie taucht jetzt lieber ein und schwingt,

sie tanzt und spielt und lacht und singt

im klitzegrössten Kreise

und findet’s spannend, turbulent 

in noch so bunter Weise.

Die Lust am Leben ist es doch, 

nach Umkehr der Beweises Last,

die hoffnungsfroh zum Ausgang blickt, 

mit Einsicht und Visionen,

nicht lange rückblickt auf die Hast.

In tiefsten Depressionen.
Sie fordert Aufbau, nicht Verfall 

und Wunsches Quell bedienen.

Jetzt ist es endlich an der Zeit,

dem All-Einen zu dienen.

Es ist ein Leben gut gelebt, 

ob Stunden, ob Dekaden, 

wenn man’s gelernt, 

sich zu verzeihen, 

und weniger zu hadern.

Wenn man sich läßt und dennoch hält,

kein Brechen und kein Biegen.

geborgen frei, der, der Du bist

und alles liebst, wie es halt ist.

Klar führt der Weisheit letzter Schluß

am Ende doch zu Grabe,

grad deshalb will, kann  ich nichts 

und niemand wirklich hassen

und fürchten muss ich dank Gott nichts, 

was andere tun und lassen.

Nein, Liebes, hassen  muss man

Nichts.

-UPIM.

Vision Phi – An automobile Utopia

 

– under construction –

Mein Sohn hatte schon früh einen Berufswunsch: Füßewäscher, weil das der Papa auch ist.

Semantisch Nah dran an Physiker immerhin, aber in der Aufgabenbeschreibung dürfte der in Frage kommende Job sich wesentlich unterscheiden.

Dafür weiß mein Sohn schon ganz genau, was er dann mal bauen wird: ein fliegendes Auto, genauer gesamt, mehrere, weil dann sowohl Papa und Mama, als auch seine Schwester eines geschenkt bekommt und jeder darf sich seine Farbe aussuchen, ich habe mich für ein elegant-schlichtes schwarz entschieden, meine Tochter wird bestimmt bis zur Auslieferung des Fahrzeugs noch von rosa auf eine vielleicht immer noch femininer anmutende, aber doch dezenter-klassizsischter Farbgestaltung.

Das Auto, das ich schon lang entwickeln und bauen würde, ist das Fahrzeug, besser, das Mobilitätswerkzeug, das mir in meiner Sammlung noch fehlt. Wär ich Batman, wärs mein Barmobil, nun bin ich nicht Batman, aber Martin, abgeleitet vom Mars, dem Gott des Kriegers, was mich in Verbindung mit meiner Vorliebe für internationale Großstädte zu einem Urban Warrior macht.

Wenn es aber das Werkzeug eines auf Beuteschau orientierten urbanen Kriegers ist, dann müsste es auch Instrument sein, eine scharfe Waffe, ein Gefährt und ein Gefährte, ein vertrauenswürdiges Ross, Winnetous Iltschi müsste schon mindestens Vorbild gestanden haben für solch ein edles und edelmütiges Geschoß, das Dich von 0 auf 266 Sachen in die Umlaufbahn der im Nahfeld einer im zeitlichen Budget gerade noch abwickelbaren Tour noch lässig machbaren Großstädte in Zentraleuropa bringt. Natürlich sollte das Gefährt auch treu schon mit den Hufen scharrend warten, wenn uns aufgrund der wesentlich größeren kulturellen Unterschiede mal die Sehnsucht nach den ferneren Kontinenten plagt.

Scottie, beam me up, there is no intelligent life down there!

Jeder Trekkie-Fan wird mir aus der Seele sprechen, dass wir im Kino schon ganz andere Welten erfunden haben, als wir in den Köpfen unserer Realitätsgestalter zulassen oder uns von den Zukunftsverhinderern gerne ausreden lassen.

Es geht nicht, sagten alle. Da kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.

Ich wünsche mir ein Auto und ich glaube, man wäre unter gegebenen, vor allem geeigneten Rahmenbedingungen auch in der Lage, ein derartiges zu bauen, das:

– mich an der Stelle absetzt, an die ich hinwill und dann allein zum Parken, möglichst Waschen, Tanken fährt (Werkstatt-Service bei Bedarf gleich automatisch im Hintergrund, wo es gerade passt? Fahr schon mal vor, Harry, ich komm dann nach… (Derrick). Ach ja, cool wär an der Stelle auch noch, wenn mein treues Ross sich der Armen und Waisen annehmen würde, die gerade mal schnell einen Lift für wenig Geld bräuchten und da es ja eh grad nicht gebraucht wird, könnte es sich doch ein bisschen betätigen, wer rastet, der rostet und wozu sind denn schließlich Fahrzeuge auf über 400.000km ausgelegt und halten in den meisten Fällen wesentlich länger.

So why not share with others? I am privileged, but when my car is standing still, I wouldn’t mind borrowing my car to others, if I don’t have to care about care and damages and higher insurances and whatever.

– wenn ich mal gerade nicht in der Lage bin, selbst zu fahren, wärs schön, wenn mein Ross nach Absprache des Zielortes sich selbständig auf den Weg machen würde, während ich in entspannter Rückenlage und augenfreundlich geschlossenen Lidern die Ereignisse der vergangenen Nacht reflektiere.

– Dass mein Ultra-Eco-Supergleiter natürlich wie auf Schienen fährt, ist ja wohl selbstverständlich. Da solle mir auf die Errungenschaften modernster Fahrwerkstechnik nicht drauf ankommen, dass das ein Luftfahrwerk mit proaktiver Wankstabilisierung wird, das selbst das ausgezeichnete im heutigen Audi A6 noch topped, wär schon der Anspruch. Aber wie auf Schienen würd dann bitte schon auch heißen, auf der Ideallinie, mit maximalem Speed, der bei minimalstem Risiko, entweder vollautomatisch, unterstützend wirkend, informationsvorbereitend und logisch auch unter exakter Kenntnis der Gelände- und Streckendaten, der Gefahrenpunkte, der daraus nachgelagerten Unfallstatistik, der Gaußkurve aller bisher in der jeweiligen Situation gefahrenen Manöver aller Auto-Mobile bisher.

– Natürlich helfen sich alle Fahrzeuge untereinander, kein sich wohlwollend verbundener Kriegerstamm würde sich doch wohl einander Informationen vorenthalten, die ein anderer gerade gesammelt hat und die zum eigenen Fortbestand beitragen könnte? Also alles online in die Cloud! Geodaten, Geschwindigkeit, ESP-Informationen, Informationen des Safety Computers, der Effizienzkennzahlen in Verbindung mit den sonstigen Motorparametern und Fahrprofilen?

Dass mich mein Fahrzeug also warnt, weil ich gerade frei und ungebunden aber zugegeben in einem Geschwindigkeitsbereich am oberen Ende des nach dem für den Ford-Fiesta-Fahrer denkbaren Geschwindigkeitsbereich in eine Kurve gehe, die 99,99% der manuell oder selbsttätig gesteuerten Auto-Mobile nur na sagen wir mal, etwas gemächlicher angegangen sind, wär schon gut. Dann kann ich ja selber nochmal überlegen, ob ich dermaßen an die Technik einer Hightech-Großserien-Individualfuchser-Mechaconnectronik glaube, dass ich jetzt gleich halt mal die bisherige World Record Latte um ein gutes Stück nach oben setze, a la: Du, da hab ich dem aber mal eine Rundenzeit in den Asphalt gezimmert, Du, da hätten Ayrton Senna, Michael Schumacher, Sebastian Vettel und Niki Lauda mit der Zunge geschnalzt unter Chapeau!-Rufen begeistert klatschender Massen oder ob ich vielleicht doch mal besser den Fuß vom Gas nehme, weil mir gar nicht bewußt war, dass diese biestige Kurve am hinteren Ende extrem zuspitzet und daher vom Verlauf bei der Geschwindigkeit schon echt hochriskant geworden wäre…

– Mein Fahrzeug soll zu jeder Zeit mit mir verbunden sein, auf Zuruf auch weite Strecken bis zu mir zurücklegen können, wenn ich mal irgendwo auf dem Bahnhof von nirgendwo gestrandet bin und sich gerade weder Bahn noch die Mission noch sonst eine helfende Hand mit liebevoller Wärme und Fürsorge umgibt. So halt die Mama- oder Papa- oder Taxi-Funktion, die jeder oft im Leben braucht.

– Das Werkzeug muss noch nicht mal mir gehören, mir würde es reichen, wenn ich es immer bei Bedarf zur Verfügung hätte, dann aber bitte so, dass wenn ich in my best place in Cally bin, mein fahrbarer Untersatz genauso funktionieren würde und genau gleich konfiguriert wäre, wie das maßgeschneiderte TraumsündhaftteuerunglaublichschickschnellsexygutaussehendunddazunochsovernetztintelligentvisionärfreundlichundgarnichteingebildeSpaß- Sport- und Mobilgerät, das mich auch zuhause in die Arbeit bringt, vielleicht aber in Zukunft ja so, dass meine Kinder auch mal vom Auto alleine abgeholt werden können mit der Children Safe Funktion, in der per Videoliveschaltung bei Bedarf sofort eine Leitung mit meinem Mobile besteht, und ich weiß, dass die Kinder genauso sicher sind, als wären sie bei Oma oder Opa, die sie behüten, wie ihren Augapfel.

Dabei noch schnell die Wäsche in die Reinigung bringen, die per Internet vorbestellten Einkäufe aus dem Internet abholen und die Schwiegereltern zum Flughafen fahren, wär klasse! Thanks so much!

– Natürlich muss mein Einhorn nicht nur Flügel für maximalen Abtrieb,whenever needed, sondern auch magische Kräfte haben. sich heute groß für den Ausflug mit der Familie oder den Sportlerfreunden und morgen klein für die effizienteste, premium-komfortable Beförderung schnell für die paar km von zuhause in die Arbeit, aber dann doch bitte möglichst mit einem Hauch von Luxus.

– Über CO2-Neutralität und Abkehr von fossilen Brennstoffen müssen wir hier nicht mehr reden. In einer Zeit, in der die Welt mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde in derselben Zeit nachwachsen lassen kann, hat ein Konzept keine Zukunft, das nicht CO2-neutral fährt, weder für den urban warrior noch für den Berufsfahrer, noch für den Pendler, noch für wen auch immer.

– Dass mein Iphone (oder whateverphone) komplett vernetzt ist mit meinem Eco-Boliden, der allerdings natürlich auch ein vollausgestatteter Internet-Terminal ist mit allen Schikanen und fahrzustandsspezifischen gekoppelten Operations- und Kommunikationsstrategien, muss ich ja hoffentlich nicht betonen und bitte, bitte, die Weisheit der vielen ebenso wie ich schlauten Nutzer des selben Mobilitätsservice musst Du mir auch nicht vorenthalten, wenn also ganz viele schon kapiert haben, dass es eine neue Abkürzung gibt, please let me know.

under construction, to be continued

Treue ist auch keine Lösung

Ildiko von Kürthy, eine, wie ich finde, faszinierende Persönlichkeit und brillante Schriftstellerin, hat in einem Essay in der Brigitte letztes Jahr einen Artikel über Untreue damit aufgerissen, dass sie als Vertreterin einer eher loyalen Einstellung gegenüber körperlicher Untreue den versammelten Unmut und energisches Unverständnis ihrer holden Freundinnenwelt einfing.

Ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft, die offenere Formen von Liebe, gar polyamore Lebensformen per se ablehnt? Den Untreuen verteufelt, weil nicht sein kann, was einfach nicht sein darf?

Der moralische Sieger ist dabei immer der Betrogene, also das Opfer. Der Täter ist der böse Bube in dem Spiel. Einfach. Bestechend. Bescheuert.

Die Frage nach der Schuld führt sicher zur Erkenntnis.

Wer hat schuld?

Klar, der Täter. Aber ein schlauer Mensch hat mal gesagt, dass Du erst auf den Grund von Mustern kommst, wenn Du fünf Mal nach dem Warum gefragt hast.

Probieren wir es aus:

Warum tut er/sie das? Klar, weil ihm zuhause was fehlt.

Warum fehlt ihm/ihr zuhause was?

Auch klar, weil ich (der Partner) ihm/ihr offensichtlich nicht genüge, er mich nicht genügend liebt, blabla..

Warum liebt er/sie mich nicht mehr so?

Auch klar, weil der Alltag so an einem zerrt und zum Beispiel aus den kleinen, charmanten Witzeleien von früher, plötzlich große, sarkastische Bemerkungen über Hintern und Meinungen, Aussichten und Einsichten geworden sind und mit der Zeit die Verletzungen und Vertrauensbrüche in Summe naturgemäß eher zugenommen haben.

Warum gehe ich dann selbst nicht auch fremd?

Oh, nicht so klar, gute Frage! Vielleicht aus Bequemlichkeit? Unerreichbarkeit des Wunschpartners? Also passiv treu, weil der Hintern schon so fest auf der Couch festgewachsen ist und Geist und  Konturen zerflossen, so dass man seinen Traumpartner Brad Pitt oder Angelina Jolie jetzt nicht gerade mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Bett bekommt?

Oder wirklich aktiv treu, weil es einem einfach so wichtig ist, also so als Wert und so und man seinem Partner und sich nicht mehr in die Augen schauen könnte, nach so einem schwerwiegenden Vertrauensbruch?

Und weil man selbst den Gedanken, dass der andere es tut, so schrecklich findet? Und weil doch das Hollywoodideal noch im Kopf ist, dass wir, bis dass der Tod uns scheidet, glücklich und in Liebe vereint  vergehen müssen bis zu unserem letzten Atemzug?

So, das waren erst mal nur vier Warums, aber ich schlage vor, das letzte heben wir uns noch auf. Wenn es aber stimmt, was Holger Lendt und Lena Fischbach in „Treue ist auch keine Lösung“ schreiben, dass unser heutiges Treue-Ideal abgeleitet ist von den hohen Idealen des Minnesangs im Mittelalter? Leider hat der Minnesänger, der sein holdes Burgfräulein oder Prinzesschen schmachtend begehrte und mit ihren Farben in den Kampf zog, aber nur in den seltensten Fällen einen Stich gemacht bei der begehrten Lady, weil die ja mit dem Burgherrn verheiratet war oder bereits einem anderen versprochen.

Ja, da kann Liebe ewig halten, wenn man sie nicht täglich abnutzt.

Liebe ist Emotion, heißt es weiter, darin steckt Motion, also Bewegung.

Wenn Liebe also auch nur so ein Gefühl ist, das wie Hass mit der Zeit der Wandlung unterliegt, ist es dann nicht fast schon einfältig, von seinem Partner ewige und bedingungslose Liebe zu fordern?

Na gut, bei Treue sieht’s da schon anders aus. Wer würde denn gern einen Pakt eingehen mit einem Bündnis-Partner, auf dessen Treue Im Einsatz-Fall kein Verlass ist? Würde ich nicht gar einen Schwur auf ein (hoffentlich sogar auch noch verdammt langes!) Leben  mit einem einzigen Ehe-Partner nur dann eingehen, wenn ich mir dessen Treue absolut sicher bin?

Bestimmt.

Und wenn er dann meine Erwartungen nicht erfüllt? Weg damit!

Damit hat sich auch sofort das Problem des lebenslangen Schwures in Rauch aufgelöst. Wenn aber die Frage nach den ersten Warum’s zu Tage gefördert hätte, dass es völlig normal ist, sich außerhäuslich mit anderen Menschen einzulassen, sei es nun aus rein beruflichen, privaten, organisatorischen, familiären oder eben auch freundschaftlichen oder sexuellen Interessen, dann könnten wir hier aufhören. Alles normal, regt Euch wieder ab, nix passiert, ist doch keine Affäre, wenn jemand eine Affäre hat. Die tun nichts, die wollen nur spielen.

Hallo? Normal? Untreue soll normal sein? Warum aber ist dann der ausdrückliche Wunsch nach (körperlicher) Treue so gern genommen auf den unzähligen Profilen hoffnungsvoller suchender Seelen?

Aber was ist denn eigentlich Treue?

Zusammen halten. Zusammen stehen. Zusammen kämpfen. Zusammenraufen.

Bleiben, erst recht, wenns grad schwierig ist.

Da sein, wenn das Schiff der Partnerschaft oder des Partners grad in hohen Wogen um die Fassung wenn nicht gar um’s  Überleben kämpft

Aber was ist dann Treue nicht?

Ein Schwur auf bedingungslose Abhängigkeit, Gefügigkeit und Beschränktheit. Ein Käfig, an dem die Türen fest verschweißt sind. Ein Tunnel ohne Licht und ohne Ausweg.

Was, so dramatisch? Naja, für den geselligen Typen, der die Freiheit und die Menschen mag, wär jetzt das Gefängnis der Ehe mit nem chronisch-übereifersüchtigen Partner bestimmt die Hölle auf Erden. Ein Panther wird sich im Käfig nie wohl fühlen, dafür liebt er die Streifzüge in der Savanne viel zu sehr.

Wenn aber jetzt auch noch die Triebfeder hin zu einer wie auch immer gearteten Beziehung gar nicht das Abwenden vom eigenen Partner ist? Wenn Partner oder Partnerschaft gar nicht in Frage stehen? Keiner allein auf hoher See im Stich gelassen wird und es damit auch keinen Treubruch im eigentlichen Sinne gibt? Wenn es eigentlich gar keinen Vertrauensbruch gibt, weil das Vertrauen weiterhin stabil ist, dass man sich in allen wesentlichen Fragestellungen des Lebens aufeinander verlassen kann?

Menschen wollen wachsen, dazu brauchen sie Austausch. Mein Bild dazu ist eine Sphäre, in dessen Mittelpunkt ich stehe. Jeder weitere Mensch ist irgendwo in dieser Sphäre der möglichen Denkwelten in einem gewissen Abstand zueinander. Am selben Punkt wären sie, wenn beide genau das gleiche denken bzw. fühlen würden, aber dann wäre einer von beiden wohl umsonst.

Jeder weitere Mensch, den ich kennenlerne, erweitert mein Weltbild, liefert Erkenntnis, wie groß die Sphäre der möglichen Denkwelten ist und wie unterschiedlich Menschen in ähnlichen Kontexten denken, fühlen und handeln. Es gibt mir die Möglichkeit, eigene Muster zu vergleichen mit anderen, mich zu spiegeln, mich anpassen zu müssen, andere Sichtweisen kennenzulernen, zu verstehen und zu akzeptieren und diese im besten Fall sogar ins eigene Weltbild integrieren zu wollen.

In der Tierwelt hat man lange geglaubt, manche Arten wären strikt monogam. Das wurde lange als zentrales Argument verwendet, dass der ja wesentlich weiter entwickelte, zivilisierte Mensch eine monogame Lebensweise ja (allein schon aus moralischen Gründen?) auch hinbekommen müsste.

Inzwischen haben Gentests gezeigt, dass der nette Vorzeige-Papa, der sich so fürsorglich um die Brut kümmert, nur leider selten der Genspender seines Nachwuchses war. „Fishing for good genes“ hat sich die Natur als coole Idee ausgedacht. Zwar einen braven Ernährer für die Brut stellen, der sich aufopferungsvoll kümmert, aber dann die Mädels, läufig, also hormonell overruled, auf die Suche nach dem noch potenteren Männchen und diesem prächtig glänzenden Gefieder zu schicken, möge sich die beste DNA durchsetzen.

Unmoralisch? Ja, ok, aber eigentlich ganz logisch. Besser kriegst Du Deine Brut nicht an den Start. Helden-DNA und brave Ernährer. Besser gehts nicht. Und wieviel davon steckt noch als Urmuster in uns? Wie sehr treibt’s uns immer wieder um nach neuen, zwischenmenschlichen Erfahrungen, einfach weil die DNA bei Mehrfachverteilung viel mehr Chancen hat, sich zu erhalten?

Unromantisch? Bestimmt, aber ich hab mir irgendwie abgewöhnt, immer sauer auf die Realität zu sein, nur weil sie nicht so ist, wie ich sie gern gehabt hätte.

Ja, ich glaub schon, dass es beim Menschen diese Muster gibt, es gibt doch nichts, was es nicht gibt. Früher wie heute gibt es Kuckuckskinder eben nicht nur in der Vogelwelt. Solange eigentlich kein größeres Problem, solange nicht einer der Kuckuckskinder-Eltern, genetisch oder versorgungstechnisch ein größeres Problem daraus machen.

Weil wir uns aber gern Probleme machen,  ist es auch so, dass die Frauen schlechter mit emotionaler Untreue bei Männern umgehen können (verdammt, dann kümmert er sich vielleicht bald um die Brut der Anderen??), während Männer schlechter mit sexueller Untreue umgehen können (Bei mir bleibt sie eh, unabhängig von Gefühlen, allein schon wegen Haus und Kinder, aber ein Balg von einem Anderen fütter ich nicht durch und lass ich mir auch nicht unterjubeln!)

Liebe vergeht, Hektar besteht, sagt ein Sprichwort. Über hunderte von Generationen sind so Werte transferiert worden, indem lukrative Bündnisse eingegangen wurden, die den Fortbestand des Erschaffenen sichern sollten. Liebe war dabei ja im Einzelfall nicht per se auszuschließen, aber wirklich gebraucht wird es für den Erhalt von Haus und Hof nicht. Für die große Liebe geht man fensterln, auf Dienstreise, oder man fährt vornehm für ein paar Tage in die Stadt, für die schnelle Nummer ins Puff oder zur buckligen Nachbarin nebenan.

Alles gut.

Nur, wo verdammt nochmal kommt eigentlich der Punkt, wo  das Problem von Untreue deutlich wird?

Wenn ich mit meinen Freunden Schafskopf spiele, was traditioneller, bayrischer Brauch ist, finde ich das toll und wenn immer die gleiche Runde zusammenspielt, dann flutscht das auch und alles ist super. Trotzdem würde ich mit meinen Schafskopf-Brüdern jetzt nicht einen Bund eingehen, dass ich nie, nie, nie mehr mit anderen Schafkopfern an anderen Tischen spielen werde. Wär doch total behämmert! Und wenn mich einer meiner Schafkopf-Freunde jetzt massiv unter Druck stellen würde, ich könne ja wohl nicht sowohl mit der als auch mit einer anderen Runde spielen und solle mich nun endlich entscheiden und fürs ganze weitere Leben festlegen, würde ich ihn für verrückt erklären und dissen und erst recht „fremdgehen“, jetzt ja grad mit Fleiß.

Andererseits soll ein hoffnungsvoller Mensch in seinen jungen Zwanzigern der Frau, die er gerade so heiß und innig begehrt, weil die Liebe so frisch ist, versprechen, nie mehr im Leben eine andere Frau anzusehen, nie mehr fremde Haut zu berühren und möglichst auch nicht mehr von derartigen Schandtaten zu träumen?

Ja und für wen malen sich die ganzen anderen Frauen jeden Tag so hübsch an und ziehen so schicke hochhackige Schuhe an? Ist doch völlig unrealistisch, dass nach 20, 30, 40 Jahren Ehe noch genau die gleiche Begehrlichkeit beim Anblick der eigenen Frau hochkommt, als in den ersten Monaten frisch entflammter Liebe auf Honeymoon-Entdeckungsreise zueinander. Was irgendwann fehlt, ist schlicht der Reiz des Neuen. Man kann als Partner nach vielen Jahren alles verstehen und alles kennen, alles verzeihen und alles am anderen lieben, aber man kann eines nicht: neu sein. Man kann es einfach nicht. Was der/die Andere hat, was ich nicht habe? Nichts spezielles, aber tausend Kleinigkeiten. Und vor allem: Er ist neu, spannend, prickelnd und dieses lebendige Gefühl bei den ersten tiefen Blicken in fremde Augen, der erste Kontakt mit fremder Haut ist eines ganz bestimmt: aufregend, wohltuend, wertvoll.

Warum darauf ein Leben lang verzichten? (Aha, da war das fünfte Warum!)

Diese Antwort ist nicht einfach und muss von jedem in seinem Beziehungsmodell verankert werden, wenn die finale Antwort mal gefunden ist, vorausgesetzt, es gäbe eine. Wer lieber an seinem Hollywood-Ideal festhält, statt an seinem Partner, wird dadurch nicht glücklich, allein schon, weil schnell beim nächsten Partner die immer noch gleiche, falsche Einstellung im Weg steht. Wer sich und seinen Partner nicht zwanghaft einschränkt, sondern selbstbestimmt offen und ehrlich mit ihm Freiräume entdeckt, bespricht und vereinbart, entwickelt sich schneller.

Unser Ego lässt uns gerne wünschen, dass wir die einzigartigste, auserwählteste Person auf dem ganzen Planeten sind und unser Partner uns ja das zu Recht durch seine (körperliche) Treue für immer und ewig zeigen und beweisen muss.

Dabei würde eine solide aber sexuell entspannte Partnerschaft, die auch dann funktioniert, wenn die Wogen des Lebens mal hoch schlagen, langfristig viel kraftvoller und beständiger sein, als die von uns so hochstilisierte rein-monogame, unreflektiert christlich-katholizistisch orientierte Langweiler-Ehe, die dann leider mit etwas Pech wegen eines zufälligen Betriebsunfalls sofort aufgrund des massiven Vertrauensbruchs zur unweigerlichen Scheidung führt…

In Ildikos Essay habe ich auch den Spruch eines, ich glaube, englischen Sexualtherapeuten, gelesen, der gesagt hat: „Eine Beziehung, die 25 Jahre ohne Zwischenfall überdauert, offenbart ein Maß an Geist und Temperament, das man sonst nur bei Schafen bewundert.“

Selber denken, kann hier nur der Appell sein. Jeder hat das Lebens- und Beziehungsmodell, das er sich verdient hat. Schön, wenn jemand zumindest weiß, wie sein Beziehungsmodell ist und warum man es genau so gut findet, wie es ist oder solange daran arbeitet, bis es passt.

Ich würde mich freuen über kontroverse Sichten…

Lust und Leidenschaft

Wenn ich mich zurückerinnere an meine frühe Jugend, an eine Zeit, in der man (halb-) nackte Mädchen noch nur aus der Bravo kannte, dann kann ich noch gut die Unsicherheit fühlen, die einen beschlich, wenn man im Kopfkino das erste Mal ablaufen ließ. Bringt Mann, was Frau von einem erwartet? Kriegt Mann da überhaupt einen hoch?  Und was erwartet eine Frau eigentlich von einem Mann? Wie sie anfassen und wo berühren?

Eigentlich ja bescheuert, sich schon einem Leistungsdruck auszusetzen, noch bevor man überhaupt die allerersten Schritte in einem neuen Wirkfeld gemacht hat, aber irgendwie halt männlich.

Ich glaube ja, das hängt damit zusammen, dass beim Mann schnell absehbar ist, ob er „seinen Mann steht“. Eine vergleichbare Redewendung bei der Frau wär da ja wohl schon schwerer zu konstruieren. Und wer will schon als Mann ein Versager sein, noch dazu, wenn es um eines der eher wichtigeren Themen im Leben geht, die Liebe.

Das erste Mal war dann doch eher spektakulär und die traute Zweisamkeit eigentlich zu dritt. Aber das ist eine Geschichte für sich, eher lustig als leidenschaftlich.

Wenn man nun etliche Jahre später und um viele Erfahrungen reicher, dem Jüngling einen Rat geben wollte, auf was es ankommt, dass tief empfundene Lust und ehrliche, leidenschaftliche Begegnung erst möglich wird, was würde man ihm raten?

Eigentlich ist’s doch ganz einfach:

Sei geistig rege, phantasievoll und vielseitig interessiert, Lust entsteht schlussendlich im Kopf.

Halt Dich fit und beweglich, lern tanzen, wer nicht leidenschaftlich auf der Tanzfläche ist, der ist es auch nicht im Bett.

Nimm Dich selbst an, so wie Du bist, aber stell Dich auf jeden Partner neu ein. Hab keine Angst vor Fehlern und zeige auch Deine Schwächen.

Nimm Dein Gegenüber wahr in all seinen schillernden Facetten, voller Respekt, aber auch voller Neugier. Suche die Schokoladenseiten, schenke ihm Dein Vertrauen und Deine Zuneigung.

Liebe das, was Du tust, aber probier auch gern mal das aus, was Du vermeintlich nicht magst. Manche Gerichte muss man auch drei Mal versucht haben, bis sich der Gaumen daran gewöhnt hat.

Sei neugierig, entdecke alles und übersieh nichts, wähne in jedem See noch eine tiefere Tiefe, als die, die Du bereits entdeckt hast und sei Dir sicher, es gibt hinter jedem Gipfel auch noch einen höheren.

Begrenze Dich nicht in Deiner Lust und lebe Deine Phantasien, wenn sie mit denen Deines Partners nicht harmonieren, erfindet gemeinsam neue.

Lerne den Körper einer Frau zu verstehen, lies Ratgeber wie „Der perfekte Liebhaber“ und lerne mit Deinem Handwerkszeug umzugehen. Doch dann versuche nicht den Körper zu verführen, sondern berühre die Seele und jede Deiner Berührungen wird auch den Körper Deines Partners nicht verfehlen.

Eigentlich wars das doch schon im Wesentlichen, oder? Fehlt noch was, um jetzt gut gerüstet den Lustgipfel zu erklimmen? Hätte es mir geholfen, als ich vor gut 25 Jahren meine ersten tapsigen Schritte mit dem weiblichen Geschlecht machen durfte?

Ich weiß nicht, ich glaube, es gibt keine shortcuts zu Selbstsicherheit und einem breiten Repertoire, zu Gelassenheit und einer immer größer werdenden Liebe zu dem Mysterium Frau und immer mehr Lust auf die tiefe Begegnung zweier Menschen und Seelen.

Eine Bekannte von mir hat mir kürzlich erzählt, dass ihr Lover für die Nacht zwar sehr harte Finger hatte, dafür leider keinen ebensolchen  in der Hose. Viel Lust auf Leidenschaft blieb da nicht übrig.

Wisst ihr, vielleicht sollten wir Männer uns nicht so wichtig nehmen und akzeptieren, dass wir nicht immer Superman sind und dafür genauer wahrnehmen, welch wunderbares Instrument der Körper einer Frau sein kann und wie gern wir darauf spielen?

Lust kommt von selbst und Leidenschaft, wenns nicht mehr um Leistung geht, sondern um Achtsamkeit und Tiefe.