Lust und Leidenschaft

Wenn ich mich zurückerinnere an meine frühe Jugend, an eine Zeit, in der man (halb-) nackte Mädchen noch nur aus der Bravo kannte, dann kann ich noch gut die Unsicherheit fühlen, die einen beschlich, wenn man im Kopfkino das erste Mal ablaufen ließ. Bringt Mann, was Frau von einem erwartet? Kriegt Mann da überhaupt einen hoch?  Und was erwartet eine Frau eigentlich von einem Mann? Wie sie anfassen und wo berühren?

Eigentlich ja bescheuert, sich schon einem Leistungsdruck auszusetzen, noch bevor man überhaupt die allerersten Schritte in einem neuen Wirkfeld gemacht hat, aber irgendwie halt männlich.

Ich glaube ja, das hängt damit zusammen, dass beim Mann schnell absehbar ist, ob er „seinen Mann steht“. Eine vergleichbare Redewendung bei der Frau wär da ja wohl schon schwerer zu konstruieren. Und wer will schon als Mann ein Versager sein, noch dazu, wenn es um eines der eher wichtigeren Themen im Leben geht, die Liebe.

Das erste Mal war dann doch eher spektakulär und die traute Zweisamkeit eigentlich zu dritt. Aber das ist eine Geschichte für sich, eher lustig als leidenschaftlich.

Wenn man nun etliche Jahre später und um viele Erfahrungen reicher, dem Jüngling einen Rat geben wollte, auf was es ankommt, dass tief empfundene Lust und ehrliche, leidenschaftliche Begegnung erst möglich wird, was würde man ihm raten?

Eigentlich ist’s doch ganz einfach:

Sei geistig rege, phantasievoll und vielseitig interessiert, Lust entsteht schlussendlich im Kopf.

Halt Dich fit und beweglich, lern tanzen, wer nicht leidenschaftlich auf der Tanzfläche ist, der ist es auch nicht im Bett.

Nimm Dich selbst an, so wie Du bist, aber stell Dich auf jeden Partner neu ein. Hab keine Angst vor Fehlern und zeige auch Deine Schwächen.

Nimm Dein Gegenüber wahr in all seinen schillernden Facetten, voller Respekt, aber auch voller Neugier. Suche die Schokoladenseiten, schenke ihm Dein Vertrauen und Deine Zuneigung.

Liebe das, was Du tust, aber probier auch gern mal das aus, was Du vermeintlich nicht magst. Manche Gerichte muss man auch drei Mal versucht haben, bis sich der Gaumen daran gewöhnt hat.

Sei neugierig, entdecke alles und übersieh nichts, wähne in jedem See noch eine tiefere Tiefe, als die, die Du bereits entdeckt hast und sei Dir sicher, es gibt hinter jedem Gipfel auch noch einen höheren.

Begrenze Dich nicht in Deiner Lust und lebe Deine Phantasien, wenn sie mit denen Deines Partners nicht harmonieren, erfindet gemeinsam neue.

Lerne den Körper einer Frau zu verstehen, lies Ratgeber wie „Der perfekte Liebhaber“ und lerne mit Deinem Handwerkszeug umzugehen. Doch dann versuche nicht den Körper zu verführen, sondern berühre die Seele und jede Deiner Berührungen wird auch den Körper Deines Partners nicht verfehlen.

Eigentlich wars das doch schon im Wesentlichen, oder? Fehlt noch was, um jetzt gut gerüstet den Lustgipfel zu erklimmen? Hätte es mir geholfen, als ich vor gut 25 Jahren meine ersten tapsigen Schritte mit dem weiblichen Geschlecht machen durfte?

Ich weiß nicht, ich glaube, es gibt keine shortcuts zu Selbstsicherheit und einem breiten Repertoire, zu Gelassenheit und einer immer größer werdenden Liebe zu dem Mysterium Frau und immer mehr Lust auf die tiefe Begegnung zweier Menschen und Seelen.

Eine Bekannte von mir hat mir kürzlich erzählt, dass ihr Lover für die Nacht zwar sehr harte Finger hatte, dafür leider keinen ebensolchen  in der Hose. Viel Lust auf Leidenschaft blieb da nicht übrig.

Wisst ihr, vielleicht sollten wir Männer uns nicht so wichtig nehmen und akzeptieren, dass wir nicht immer Superman sind und dafür genauer wahrnehmen, welch wunderbares Instrument der Körper einer Frau sein kann und wie gern wir darauf spielen?

Lust kommt von selbst und Leidenschaft, wenns nicht mehr um Leistung geht, sondern um Achtsamkeit und Tiefe.

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